Die Junge Union hat als erste politische Kraft beim Stadtrat einen Antrag für ein Jugendparlament gestellt. So weit, so gut. Denn wenn alle Parteien gegen Politikerverdrossenheit angehen wollen, ist das sicher nicht der verkehrteste Schritt, den man einschlagen kann.

Aber Jugendparlament und Antrag, war das nicht was? Ach ja:

So wollte ein Besucher wissen, wieso es in Ibbenbüren noch kein Kinder- und Jugendparlament gebe. Karl-Heinz Ottenhus (IFI) las auf dem Podium daraufhin einen Antrag vor, wonach „der Rat die Prüfung und Installation“ eines Parlamentes prüfen und beschließen solle – und signierte das Schreiben. Dr. Marlene Klatt (Grüne) unterzeichnete ebenfalls.

Muss wohl ins Altpapier gewandert sein, dieser vor Jugendlichen unterzeichnete Antrag. Was für ein schönes Zeichen gegen Politikerverdrossenheit.

90 Jahre Weltspartag, das bedeutet auch 90 Jahre Sparschweinstopfen und Geschenke für Kinder zu Ende Oktober. Grund genug, einmal nachzuhaken, wie es künftig um das Sparen steht. Hierzu befragte ich Herrn Josef Dukat von der Volksgenossenbank zu den geplanten Veränderungen

Herr Dukat, 90 Jahre Weltspartag, das ist eine lange Zeit. Was ist da noch aus der Anfangszeit bekannt?

Ja nun, das war damals keine einfache Zeit. Kurz nach der Einführung bekamen wir die Weltwirtschaftskrise und dann kam ja auch schon der nächste Krieg. Da sind wir auf unseren Billigplüschtieren im wahrsten Sinne des Wortes sitzen geblieben.

Nun planen sie im kommenden Jahr ganz auf den Weltspartag zu verzichten. Wie kam es zu diesem Sinneswandel?

Ja, nun, die Zeiten sind nicht einfach. Wir saßen halt so zusammen und überlegten, wo wir noch sparen könnten. Und da sagte einer, wir könnten doch den Weltspartag einsparen, das spare uns zudem Nerven, Spielzeug, die Luftschlangen und Ballons in der Bank und all diese Kinder auf einmal in der Filiale. Das will ja auch keiner.

Kinder sollen nun allerdings ihren eigenen persönlichen Spartag an ihrem Geburtstag haben, was steckt dahinter?

Wir dachten uns, dass das einfach praktischer ist, wenn die Kinder an ihrem Geburtstag bei uns vorbei schauen, und ihr Geburtstagsdatum bestätigen. Das ist dann ja auch irgendwie eine Aufwertung des eigenen Jubeltages.

Besorgte Eltern, deren Kinder am 30. Oktober geboren wurden, fragen sich nun, ob sie überhaupt noch kommen können, wenn am 30.10. kein Weltspartag mehr sein soll.

Ja, sowas hätte man sich ja auch mal im Vorfeld überlegen können. Wir haben es immer wieder mit Eltern zu tun, die so unbedacht ihre Familienplanung angehen. Da können wir dann auch nicht mehr viel machen. Aber es gibt ja auch andere Banken.

OSSteiffen2014
Mittlerweile hat sich Christian Steiffen die Publikumsgröße erspielt, die ihm gebührt: 700 Leute kamen gestern in den Rosenhof und – als ob man das dazusagen müsste – waren restlos begeistert.

Zum Tourauftakt präsentierte er seine Klassiker, aber auch Neuschöpfungen. Bei diesen erfindet er sich etwas neu, weniger bissige Ironie, mal etwas ruhigere Töne anspielen. Es war nicht zu erwarten, dass ewig Knaller nachgeschoben werden. Das soll kein vorweggenommener Abgesang werden: Steiffens Stärke ist weiterhin, dass er einer verstaubten Musiksparte das Konservative nimmt, und mit Witz genau die besungenen Gefühle herauskitzelt, die er in seinen Liedern ironisch ansingt: Das Vermissen seiner Person, das Belachen des eigenen Selbstmitleids, die Reduzierung seines Lebens auf eine Flasche Bier, das Frohsein über entgangene Beziehungen.

Abgesehen davon bot die Steiffen-Show neben der endlich mal wirklich gut rüberkommenden Musik viele einprägsame Bilder auf der Bühne: Vom Steiffen-Ballett über das Stage-Diving zur besinnlichen Christian-Steiffen-Version von “Stille Nacht”. Den Großteil seines Publikums hat Steiffen nach wenigen raumgreifenden Gesten in seinem Bann, der Rest wird irgendwann von der Musik eingenommen.

Christian Steiffen bringt die große Lust aufs Leben in die Halle und verteilt sie großzügig an seine Zuschauer. Vielleicht ist das das Geheimnis.

Wieder einmal fand die so genannte “Siemon Akademie” statt, dieses Mal zum Thema “Mobbing im Internet. Und irgendwie trifft der Titel meines ersten Textes zur Siemon Akademie zu: Ein ausgebranntes Thema.

Dabei ist es eigentlich natürlich gut, eine Gesellschaft für das Thema Mobbing zu sensibilisieren. Aber es ist auch nicht verboten, auf die Mittel zu schauen, die verwendet werden. Insofern ist die Frage der Journalistin, was denn der peinlich-anbiedernde Titel “Du Opfer, ich chatte dich platt!” sollte, ein guter Ansatz.

Im Vortrag des “Spezialisten”(Veranstalter-Ankündigung) wurde offenbar der Fall von Amanda Todd aufgegriffen, wohl weil es ein Youtube-Video von ihr gibt. Was dieser Fall mit Situationen an deutschen Schulen zu tun hat, ist mir eigentlich gänzlich unklar. Verallgemeinert man damit nicht einfach alle Tragödien, deren Opfer Jugendliche sind? Das scheint mir gegenüber Jugendlichen mit spezifischen lokalen Problemen nicht passend zu sein. Während Internetmobbing mit Suizidfolge in Amerika wiederholt vorkommt, ist mir ein derartiger Fall in Deutschland nicht bekannt.

Das aktuelle Thema in Deutschland ist Stalking. Ein Beispiel aus dieser aktuellen Diskussion hätte ich passender gefunden.

Die Quintessenz des Vortrags ist dann auch nicht überzeugend:

trotz jeder Menge schlimmer Erfahrungen einiger, tappen immer noch viele in die Internet-Falle. Sichere Alternativen für WhatsApp, Facebook und Co.? Fehlanzeige! „Sicher ist, dass nichts sicher ist“, so Siebert. Er rät, wieder E-Mails schreiben zu lernen, „so richtig mit Betreff und Absender“.

SCHNÖFF TÄ TÄÄÄÄÄ! Wenn nichts mehr geht, einfach mal irgendwie Kulturpessimismus raushauen. Was zum Teufel ist denn die “Internet-Falle”? Es gibt Alternativen zu Facebook und WhatsApp, nur kennt sie der Urheber des zitierten Satzes offenbar nicht. Abgesehen davon: Was hat die Frage nach Facebook-Alternativen überhaupt mit dem ganzen Thema zu tun?
Der Brüller ist natürlich, dass Jugendliche statt Facebook E-Mails nutzen sollen. Als ob E-Mails so einfach für Jugendliche verschlüsselt zu nutzen wären. Das Problem hierbei ist einfach, dass es nicht sonderlich verbreitet ist, seine E-Mails selbst zu verschlüsseln.

Das ist jetzt nicht ganz das, was man nach der Ankündigung erwarten durfte:

Ein Spezialist packt aus: Wie Sie sich und Ihre Kinder vor Cyber-Mobbing, Cyber-Grooming und steigender Internetkriminalität praktisch schützen können: Tipps zum besseren Umgang mit Sozialen Netzwerken und Online-Diensten.

Der Punkt, an dem man wirklich ansetzen könnte, ist Medien-Erziehung für Jugendliche. Das Internet stellt niemanden vor zuvor unbekannte moralische Problematiken, nur die einsetzbare Technik ist variantenreicher. Leider scheint es im Vortrag nicht darum gegangen zu sein.

Mit ihren Experten hat die IVZ kein Glück, auch das Thema Internet ist irgenwie nicht ihres. In der dieswöchigen Veranstaltung sollte es zu “Einkaufen, bezahlen und überweisen im Internet” gehen, auf gut deutsch: Um die Sicherheit von Überweisungen über das Internet. Dazu hatte die IVZ Experten eingeladen, die sie dann auch in der Überschrift des dazugehörigen Artikels Experten nennt und die sowas wohl von sich gegeben haben:

Brinkmann: Paypal ist aber ein Dritter, ein Dienstleister. Sie hinterlassen dabei Ihre Daten. Wenn Sie dann im Netz bezahlen, geben Sie Ihr Passwort ein – mehr Schutz ist da aber nicht. Wenn es jemand schafft, an Ihr Passwort zu kommen, dann steht die Scheune offen.

Falsch. Man kann seine Überweisungen bei Paypal mit SMS absichern. Außerdem kann man mit Paypal nur überweisen, wenn sich auf einem dortigen Konto Geld befindet oder wenn eine Verbindung zu einem Girokonto besteht – welche man aber auch löschen kann.

Brinkmann: [...] Echte Mahnungen müssen in Deutschland übrigens postalisch zugestellt werden.

Falsch. Mahnungen per E-Mail sind zulässig.

Noch schöner wird es im Video zur Veranstaltung, wenn Herr Brinkmann fragt, ob man für Paypal-Transaktionen zahlt. Die richtige Antwort wäre gewesen, dass es Transaktionsgebühren gibt, die manchmal der Rechnungaussteller und manchmal der Rechnungsbegleicher übernimmt. Herr Brinkmanns Antwort auf das Zahlungsmittel für Transaktionskosten bei Paypal dagegen ist:

Die Daten, ja.

Willkommen in der Welt der Verschwörungstheorie: Für Brinkmann ist Paypal wohl eine Datenkrake, bei der Kunden mit Daten statt Transaktionskosten zahlen, ohne dass diese Behauptung irgendwie belegt wird. Die IVZ versteht ihn in ihrer gedruckten Ausgabe ebenso:

Stefan Brinkmann über Bezahldienste wie “Paypal”, die mit den Daten ihrer Kunden Geld verdienten.

Zum Schluss des Videos gibt er noch 10 Verhaltensweisen zum Schutz vor nicht autorisierten Überweisungen preis, von denen ihm nur drei einfallen und die dritte ist schon die Rückbesinnung auf den gesunden Menschenverstand, um auch noch zu sagen:

Eine Rücküberweisung wird es nicht geben.

Möchte jemand raten, wer Rücküberweisungen anbietet? Paypal.

Auf den Vortrag Brinkmanns folgte Herr Feck:

[Feck:] bei grober Fahrlässigkeit – dazu gehöre übrigens auch, ohne Virenscanner zu surfen – habe der Nutzer selbst den Schwarzen Peter.

Falsch. Geschädigte haften bei nicht autorisierten Überweisungen nur, wenn die Bank ihnen grobe Fahrlässigkeit nachweisen kann. Daher schreibt der WDR:

Sobald die Bank dies nicht nachweise oder nicht nachweisen könne, müsse sie dem Kunden das fälschlicherweise überwiesene Geld erstatten.

Übrigens hat laut Christian Solmecke der Bundesgerichtshof bislang immer verneint, dass es seitens Windows-Benutzer grob fahrlässig wäre, keinen Virenscanner installiert zu haben.

Als Leser weiß man an dieser Stelle auch nicht, ob Fehler beim Experten oder beim Textverfasser zustande kommen, denn auch die Hilfestellung bei Phishing ist eher so…

Feck: Wenn Sie noch mal diese Mail bekommen, dann können Sie es an den „Phishing-Reader“ der Verbraucherzentrale senden. Wir prüfen das, gegebenenfalls wird die Adresse gesperrt.

Wenn sie jetzt den “Phishing-Reader” über Google nicht finden können, könnte es daran liegen, dass er Phishing-Radar heisst. Und was für eine E-Mail-Adresse da dann gesperrt werden soll, ist mir auch nicht ganz ersichtlich.

„Ich habe heute viel gelernt. Vor allem: Man sollte seinen Computer schützen“, fasste Dr. Peter Erf, stellvertretender Leiter der Volkshochschule Ibbenbüren, den Abend in seinem Schlusswort zusammen.

Und immer schön beim Kaffeetrinken den Löffel aus der Tasse nehmen, damit man sich nicht ins Auge sticht.

Es ist mir ja glatt entgangen, dass sich Anja Karliczek in der Debatte zum Lebensversicherungsreformgesetz noch einmal zu Wort gemeldet hat:

Wieder jault sie mit den Versicherungen und kommt der Kritik der angesprochenen Susanna Karawanskij, es würden keine belastbaren Daten zur Debatte gestellt, nicht nach. Herbert Fromme sieht die Reform in der Süddeutschen Zeitung so:

Die Lebensversicherer haben sich verzockt. Sie haben in den 90er- Jahren hohe Zinsgarantien bis zu vier Prozent zugesagt, um ihre überteuerten Angebote zu verkaufen. Heute haben sie Probleme, die Garantien zu verdienen. Die Antwort: Jetzt muss die gesamte Kundschaft ran. Die nötigen Rückstellungen für die Hochzinsgarantien dürfen nun auch die Kunden stemmen, die sich mit den niedrigen Zinsgarantien von 1,75 oder 2,5 Prozent zufriedengeben müssen. [...] Der Gewinn des Marktführers Allianz Lebensversicherung steigt derweil kräftig. Die Kunden haben nichts davon.

Die in der VG Media versammelten Presseverleger

sehen sich [...] gezwungen, gegen ihren Willen die VG Media anzuweisen, Google eine ‘Gratiseinwilligung’ zu erklären.

Spätestens wenn jemand Pressemitteilungen rausgibt, dass er Anweisungen an Unternehmen rausgibt, die gegen seinen Willen geschehen, darf man die Frage nach dem Geisteszustand stellen.

Es geht in diesem Zusammenhang darum, dass die Artikel der Presseerzeugnisse der Verlage weiterhin bei Google mit Link und Anreißer auftauchen. Google hatte angekündigt, auf Artikelanreißer von Verlagen, die Google keine Veröffentlichungserlaubnis einräumt, zu verzichten. Das hätte bedeutet, dass diese Artikel über Google nicht mehr so gut zu finden wären. Die Suchmaschinen bei web.de, gmx.de und der Telekom haben diesen Schritt bereits umgesetzt.

Die Verlage haben damit eingeräumt, dass sie mehr von Google profitieren als ungekehrt. Das Verdrehen von Ursache und Wirkung dürfte damit so langsam ein Ende haben: Nicht Google profitiert monetär direkt von den eigentlichen Artikeln der Verlage, die Verlage profitieren durch die Verlinkung durch Google.

Die Eigendarstellung der Verlage in dieser Sache war erschreckend dumm. Sie haben nirgends außer in der belobbyten Bundespolitik und bei ihres Gleichen Verständnis erlangt, sondern Ansehen verloren. Sie mussten sich selbst vom Bundeskartellamt erst noch sagen lassen, dass Google nicht verpflichtet werden könne, LSR-Inhalte einzukaufen. Ein journalistisches Komplettversagen in eigener Sache.

Dieses Video von Kim Gloss gibt mir Gelegenheit für einen Appell an die Kinder: Liebe Kinder! Passt in der Schule schön auf, sonst müsst ihr später auf die Discocontact in so’n Aquarium oder einen Früchtekorb!

In letzter Zeit hatte sie ja eher damit Schlagzeilen gemacht, dass sie unter die Hütchenspieler gegangen ist.

Gäß´ton was Hilde up Koffie bi us. Se seggt, dat di Kaasblatt teindusend Leser häfft. Habb ick seggt, dat kan niet sein. Wohiär wullt de Blättken wiäten, datt ick de Kaasblatt auk liäse.
De Kaasblatt kan jo niet wiäten, dat ick de Blatt voor Dag un Dau bi Hilde uten Breifkasten hol, fix liäse en dan de Blättken retireer.

Ick hebb de Börgermeester gäß´ton up Stroate drepen. He häfft me vertellt, dat ick met mien Hanomag niet mehr up de Schierloher Mohlenpatt naor Dörnte jukeln kan. De Molenpatt wullt nu en Stroate vöör de Fietsen wöörn.  De Witten wöörn daor intensiever Kontrolle maken. Awwer seggt ick hen, dat ick daor liekers dröwer jukeln weren. Is toch de Mohlenpatt de körteste Weg naor Dörnte.