Journalisten, die sich zu Propagandazwecken ausbeuten lassen

Auf diesem Foto sieht man übrigens, mit wem der NOZ-Journalist Thomas Ludwig auf der Krim noch unterwegs war:

Das sind im Hintergrund die norwegischen Journalisten Hendrik Weber und seine Mitbewohnerin Mette Roselund, die ebenso mit Andreas Maurer auf der Krim waren. Und zu deren Besuch während der Wahlen sagt der norwegische Ratspräsident Michael Tezschner:

Sie können reisen wohin sie wollen, meinetwegen auf eine Einladung von wem sie wollen, aber was sie sehen, ist kein demokratisches Ereignis von öffentlichem Interesse. Sie sollten sich bewusst sein, dass sie zu Propagandazwecken ausgebeutet werden, und so wird der Aufenthalt nicht zur Demokratie oder zur Achtung des Völkerrechts beitragen.

(…) die entscheidende Frage liegt vor der Teilnahme als Wahlbeobachter, nämlich dass es nicht das ist, was als die legalen Behörden anerkannt wird, die Wahlen auf der Krim organisieren. Somit erscheint alles als Beitrag zur faktischen Legitimation eines Gebietes, das nach internationalem Recht Teil der Ukraine ist. Eine Grundvoraussetzung für die Wahl einer freien und fairen Wahl ist somit nicht gegeben

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Wie Ikarus sich an der Krim verbrannte

POPCORN! Nachdem die NOZ und der betreffende Autor dieser Geschichte auf Nachfragen, ob Andreas Maurer der Reiseführer in der Geschichte war, einfach nicht reagierten, schiebt man jetzt – nachdem man online gelesen hat, was da so zu Maurer steht – einfach ein Portrait des Politikers nach und stellt ihn als armes Würstchen dar:

Eine Verurteilung wegen Wahlbetrugs könnte das ändern. So fern die Anerkennung einer wieder russischen Krim liegt, so begrenzt wäre dann noch die Anerkennung, die Maurer erfährt. Die verzweifelte Suche nach ihr – vielleicht ist sie es, die den Kreistagsabgeordneten und die Krim so schicksalhaft verbindet.

Zusätzlich weiß der Journalist ja spätestens nach seiner Reise, dass Maurers Reisen vom vollkommen unabhängigen und propagandafreien russischen Fernsehen bezahlt wurden. Da kann man beruhigt alles in die Zeitung schreiben, was der einem vorkaut. Die Russen würden ihm seine Reisen sicher auch bezahlen, falls seine Meinung je von russischer Propaganda abrückt. Und auf einmal kommt der Journalist auch auf die Idee, bei der Parteizentrale von Die LINKE in Berlin anzurufen, was man dort von Maurer hält.

Was dem Leser der NOZ etwas zusammenhanglos erscheinen mag, ist online betrachtet ein schlapper Versuch, die eigene Reputation zu retten, indem man das Augenmerk woanders hinschiebt. So muss man die eigene Rolle dann auch einfach nicht mehr erklären und kann Maurer immer noch für einen Star halten:

Von so einem Journalismus, da brauchen wir unbedingt noch mehr von.

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In Putins Propagandastrudel

Noch mehr POPCORN! Der Journalist Thomas Ludwig, in offizieller Mission der NOZ in Russland und auf der Krim unterwegs, um sich ein eigenes Bild zu machen, ist wohl dort nicht alleine unterwegs. Hier zeigt er sich heute „in der Nähe von Domodedove“ mit dem Politiker der Partei DIE LINKE, Andreas Maurer.

Andreas Maurer erwartet eine Anklage vor dem Osnabrücker Landgericht wegen *popcorngrabsch* Wahlbetrugs. Maurer hatte bei der Kommunalwahl in Quakenbrück erstaunliche 21,5% der Stimmen geholt, wobei bei der Urnenwahl unglaubliche 63% auf Maurer entfielen. Auch politisch machte er von sich reden:

Den dortigen Stadtrat sowie den Kreistag von Osnabrück wollte der Linken-Kommunalpolitiker per Resolution dazu bringen, die Krim als Teil Russlands anzuerkennen. […] Die Regierungszeitung Rossiskaja Gaseta berichtete über den Resolutionsantrag aus Kwakenbrjuk, die staatliche Nachrichtenagentur RIA schaltete Maurer live aus Simferopol zum Thema „Wahrheit über die Krim“ zu, „Russia Today“ feierte ihn als „Ausnahmeerscheinung, die „im klaren Gegensatz zum deutschen Mainstream“ steht.

Das wäre auch für mich der erste, an den ich mich ranhänge, um mir ein eigenes Bild zu machen.

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Beckenbauerismus bei der NOZ

POPCORN! Die Beckenbauersche Realitätsverweigerung ist im Journalismus angekommen: Die NOZ schickt einen Journalisten auf die Krim, der holt sich da etwas russische Propaganda ab und kippt die ungefiltert in die Zeitung. Und das klingt dann so:

Juri Konstantinowitsch Gempel ist auf die Bundeskanzlerin nicht gut zu sprechen. „Wegen der Politik von Angela Merkel kann ich meine Töchter nicht besuchen. Ist das gerecht?“ fragt Gempel. Die Antwort schwingt unausgesprochen mit. (… Seine Töchter) leben in Düsseldorf und Fulda, ein Enkel dient in der Bundeswehr. Seitdem die Krim wieder zu Russland gehört, bekommt der Vater und Großvater jedoch kein Visum mehr für Deutschland.

Das stimmt so nicht. Der gute Mann kann sich durchaus von der Krim aus ein ukrainisches Visum für Deutschland besorgen. Nur ist der gute Mann Mitglied in Putins Partei, das wäre wohl parteiintern und wenn man nur einen russischen Pass besitzt eher ein Problem.

Vor vier Jahren, am 18. März 2014 konnte Russlands Präsident Wladimir Putin Vollzug melden: Nach ihrer Lossagung von der Ukraine wurde die Krim Teil der Russischen Föderation.

Ach, die Krim hat sich von der Ukraine losgesagt? Wann ist das denn passiert? Vor oder nachdem russische Soldaten den Flugplatz besetzt haben?

Viele der 2,3 Millionen Bewohner wissen, was sie dem russischen Präsidenten zu verdanken haben. „Die Politik Putins hat uns 2014 vor gewalttätigen Ausschreitungen bewahrt. Er hat uns das Referendum ermöglicht, er hat uns Sicherheit und Stabilität gebracht“, erzählt Gempel

Ausschreitungen gab es keine auf der Krim, das Referendum konnte man nicht als frei und demokratisch betrachten, wenn die Soldaten des okkupierenden Staates an jeder Straßenecke stehen und gerade die Stabilität ist flöten gegangen: Viele wissen nun, dass sie ihre Jobs und ihre Gelder verloren haben. Dass diverse Geschäfte schließen, die Stromversorgung eine Glückssache ist, teilweise tagelang ausfällt. Und dass sie keine Chance haben, hörbar Kritik zu äußern.

Russischer Lesart zufolge haben russische Streitkräfte die Krim nicht annektiert, sondern lediglich das Referendum abgesichert, mit dem sich die Menschen mehrheitlich für eine gemeinsame Zukunft mit Moskau und gegen eine Zukunft in der Ukraine ausgesprochen haben. Die internationale Gemeinschaft will davon bis heute jedoch nichts wissen. Der herrschenden juristischen Meinung zufolge handelt es sich um eine Annexion ukrainischen Staatsgebietes.

Oh, nicht nur nach „der herrschenden juristischen Meinung“, was immer das da für ein Kampfbegriff sein soll. Wenn sie Leute auf der Krim fragen, die nicht bloß russische Propaganda von sich geben, werden die ihnen auch erzählen, dass während des Umsturzes in der Ukraine auf der freien Krim plötzlich ungekennzeichnete Soldaten den Flughafen besetzt hielten. Und diese gaben sich irgendwann als russische zu erkennen. Von einem Referendum war da noch gar nicht die Rede, geschweige denn von einem Verlangen der Politik auf der Krim, Russland angehören zu wollen.

„Alles auf Kosten des kleinen Mannes. Präsident Putin spürt davon rein gar nichts, wenn er uns auf der Krim besucht“, sagt ein Mitarbeiter im Außenministerium: „Was also nützen Sanktionen?“ Schon wieder eine dieser rhetorischen Fragen.

Gerade rhetorische Fragen gilt es kritisch anzugehen, was diesem Autor allerdings nicht einfällt. Es geht wohl um einen Mitarbeiter des russische Außenministeriums. Schaut man sich aber die EU-Sanktionen einmal an, treffen die eher nicht den kleinen Mann.

Wer durch die Straßen von Simferopol schlendert, sieht vor allem eines: viele junge Menschen. Frauen mit Kinderwagen. Familien. Neu angelegte, gut besuchte Kinderspielplätze. Straßenmusikanten. Wer ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften erwartet hat – Fehlanzeige.

Ja, wer hat das denn erwartet? Der von jeder Kritik an russischer Propaganda unangetastete Autor ergeht sich dann auf Twitter in Humor:

Wo ich dann doch noch eine Frage auf der Zunge hatte:

Dann war wohl der ganze Text nur symbolisch.

Und die NOZ dar sich gerne mal die Frage stellen, was sie mit diesem kritikbefreiten Urlaubsjournalismus eigentlich bezweckt?

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Alternative für Drücker

POPCORN! Nachdem die IVZ einen Musikschullehrer wegen AfD-Werbung auf seiner Internetseite kritisiert hat, macht jetzt der mitgliederschwache AfD-Kreisverband Steinfurt Werbung für dessen Musikunterricht in Recke:

Daher unsere Bitte an alle (…) nehmen Sie Unterricht (…) Gerne können Sie Herrn Till und eines seiner musikalischen Angebote auch mieten, z.B. für ein Firmenfest und Vieles mehr.

Und wenn Sie wollen, hält er auch noch eine kleine Rede für Sie.

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Die Süddeutsche Zeitung über die IVZ

Popcorn! Wenn Zeitungen über Zeitungen schreiben, ist das meist eher von Wohlwollen als von kritischer Analyse geprägt. Und so klar es ist, dass die IVZ sich wandeln muss, will sie überleben, so skuril ist es, wenn in Worte gefasst wird, was abgehen soll. In der Süddeutschen Zeitung liest sich das so:

Verleger Klaus Rieping nimmt an, dass sein Produkt noch etwa die Hälfte der Menschen im Tecklenburger Land erreicht.

Wirklich? Laut Wikipedia leben Ende 2015 im Tecklenburger Land 173.879 Menschen, das wären dann 86.939 Leser am Tag. 63.000 Leute im Tecklenburger Land wohnen da, wo keine IVZ erhältlich ist, und über deren Lokalgeschehen auch nicht berichtet wird. Im Grunde liest wohl jeder, der lesen kann, im Verbreitungsgebiet der IVZ die IVZ. Respekt!

Das Konzept, das auf eine Idee von Klaus Rieping selbst zurückgeht, ist simpel: Statt ein Komplettabo für stolze 38,90 Euro im Monat zu buchen, können die Menschen für je drei Euro im Monat einzelne Themenfelder abonnieren

Wenn die Autorin das schon für einen stolzen Preis ansieht, hat sie wohl den aktuellen Preis irgendwie übersehen. Die IVZ-Schreiber

haben Order, sich tiefer in ihre Fachgebiete einzuarbeiten als bisher möglich und ihre Leser stärker einzubinden – etwa in Form von Aufrufen oder Veranstaltungen.

Was denn für Veranstaltungen? Die, die es sowieso schon gibt? Und zu denen wird dann aufgerufen? Als wäre da irgendjemand, dem die Leser folgten. Abgekehrt ist Klaus Ripeing vom Gedanken, „heimliche Mitleser“ der IVZ zu akzeptieren und darauf zu warten,

dass sie irgendwann nicht anders können, als dafür zu bezahlen.

und möchte

die Lücke nach und nach schließen, pro Nutzer nur noch einen Zugang ermöglichen und aus heimlichen Mitlesern „Themenwelt“-Kunden machen.

– wie immer das auch aussehen mag. Verlieren jetzt die Leute, die man mit Kaffeebechern geködert hat, ihre Zugänge?

Jetzt könnte man fragen, was so bahnbrechend daran sein soll, herkömmliche Nachrichten nach Themen gebündelt im Netz anzubieten.

Röchtööööch. Könnte man fragen, wenn sich die Frage nicht schon so selbst beantwortet hätte, dass man kein Fragezeichen setzt. Allerdings meint die Autorin:

weil es den Lokaljournalismus verändert – weg vom Generalistentum, hin zu mehr Tiefe.

Sie hat definitv noch keine IVZ in der Hand gehabt.

die Versuche, Partner für das Online-Wagnis zu gewinnen, blieben ergebnislos. „Wenn jemand eine bessere Idee hat“, meint Klaus Rieping, „soll er sie mir sagen.“

Kritischer Journalismus. Ernsthaft. Das eigentliche Problem ist nicht die Verpackung, sondern dass zu viele potentielle Leser die Berichterstattung der IVZ für verzichtbar halten, weil sie sie nicht angeht. Bis auf weiteres aber

versuchen sich die Ibbenbürener Zeitungsmacher eben selbst als Pioniere.

Zumindest bei der Frage, wie teuer so ein Zeitungsabo werden kann. Inzischen ist ein IVZ-Abo schon 5€ im Monat teuerer als eins der WN.

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Lesezeichen vom 01.03.2018

 

  • Besuch in Anja Karliczeks Heimat: Auf den Spuren der künftigen Bundesbildungsministerin in Brochterbeck
  • Jan-Martin Wiarda: Nur ‘ein Herz’ für die Wissenschaft? — “Eine BMBF-Chefin Karliczek hingegen wird das neue große Bundesthema Bildung ins Zentrum des ministeriellen Handelns rücken. Weil sie selbst, wie Merkel zu Recht betont, einen ungewöhnlichen Weg durch die Bildungsinstitutionen gegangen ist. Weil sie die Nöte einer Azubi persönlich genauso erfahren hat wie die Selbstüberwindung, die es erfordert, ein Fernstudium (Abbrecherquote: weit über 50 Prozent) erfolgreich durchzuziehen, mit drei kleinen Kindern zu Hause, und das auch noch in respektabler Zeit. Man muss die Hoteliertochter nicht übertrieben zur Bildungsaufsteigerin erklären, um voraussagen zu können, dass Durchlässigkeit und Aufstieg durch Bildung maßgebliche Themen ihrer Amtszeit werden dürften. Weswegen auch die Fachhochschulen aufhorchen dürften. Kurzum: Den Sozialdemokraten dürfte Karliczek im BMBF besser gefallen als Gröhe.”<br>
  • Hindenburg musste seinen Platz räumen — “Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird aus dem Hindenburgplatz schließlich der Neumarkt. „Einen örtlichen Beschluss hierüber sucht man im Stadtarchiv vergebens“, legt Irina Weinberger dar. „Das war vielmehr eine Sache der britischen Besatzungsmacht: Sie hatte angeordnet, Straßennamen, die mit dem NS-Regime in Verbindung gebracht wurden, zu beseitigen. Allerdings war nicht ganz klar, ob der Name ‚Hindenburgplatz‘ dazu gehören sollte oder nicht.“ Jedenfalls verschwindet diese Bezeichnung aus dem Stadtbild. In Ibbenbüren wird somit bereits früh vollzogen, was im Falle des Hindenburgplatzes in Münster noch bis zu einem schlagzeilenträchtigen Bürgerentscheid Anfang des 21. Jahrhunderts auf sich warten lässt.”<br>
  • Designierte Forschungsministerin: Karliczek und die Studien | faktenfinder.tagesschau.de — “Die Nominierung von Anja Karliczek als Bildungs- und Forschungsministerin gilt als überraschend. Denn bislang hat sie sich kaum zu diesen Themen geäußert. Bei der Ehe für alle scheint die CDU-Politikerin gar Studien zu ignorieren.”

 

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Haushaltszeitungsversorgesicherung

Die 40-Euro-Schallmauer ist durchbrochen: Ein Abonnement der IVZ kostet April 40,90€. Und wer ist Schuld?

Neben der Umsetzung des Mindestlohngesetzes ist vor allem eine erhebliche Preissteigerung für die technische Herstellung (Papier/Druck) Ursache für die erforderliche Preisanpassung. Wir bitten unsere Leserinnen und Leser um Verständnis.

Diese bösen Zeitungsausträger! Sollen die doch froh sein, dass sie überhaupt Geld bekommen. In der Zeitung zu lesen wird man wohl nicht bekommen, dass die GroKo den Zeitungen diese Erleichterung schenkt:

Zur Sicherung der bundesweiten Versorgung mit Presseerzeugnissen für alle Haushalte – in Stadt und Land gleichermaßen – wird bei Minijobs von Zeitungszustellerinnen und Zeitungszustellern der Beitrag zur Rentenversicherung, den die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zu tragen haben, befristet für die Dauer von fünf Jahren bis zum 31. Dezember 2022, von 15 auf fünf Prozent abgesenkt

Endlich ist das mal gesichert worden. Dann sind Erhöhungen bis 2022 ja abgewendet.

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Zitate für Dummies (15)

Gäääähn, hatten wir doch schon mal. Wird nicht richtiger.

„Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzen kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast.“

Albert Einstein (1879 – 1955), theoretischer Physiker

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