morgenkaffee

Der Europäische Gerichtshof hat das deutsche staatliche Glücksspiel-Monopol gekippt. Deutschland verstoße mit seiner biesherigen Regelung gegen die von der EU vorgegebene Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit und begrenze Glücksspiele und Sportwetten nicht in systematischer, koheränter Weise.

Götz Aly fühlt sich genötigt, die Position Sarrazins in rechte Licht zu stellen, da ihn die inquisitorische Verurteilung Sarrazins von linnker Seitee stört. Daher betrachtet er aus historischer Sicht die Bildungslage um 1900:

Um 1900 wiesen die christlichen Deutschen [im Vergleich mit jüdischen deutschen] jene Bildungsrückstände auf, die Thilo Sarrazin heute bestimmten muslimischen Einwanderergruppen vorwirft.

Warum hatten die Juden die Nase vorn? Sie waren seit alters urbanisiert, und in den wachsenden Städten lag die Zukunft. Die meisten jüdischen Knaben lernten von jeher lesen und schreiben. Das gehörte zu ihrer religiösen Bildung, eine Religion, in der man diskutiert, streitet, liest, nachdenkt – nicht einfach wie im Christentum glaubt. Jüdische Religion ist geistige Gymnastik. Christenfamilien mussten damals, der Not gehorchend, aus bäuerlichen Verhältnissen in die Stadt ziehen. Kaum alphabetisiert, unkultiviert und entwurzelt benötigten sie drei bis vier Generationen elementarer Schulbildung, bis der Erste in akademische Höhen aufstieg.

Mehr als an Gene glaube ich an die Bedeutung sozialer und kultureller, also auch religiöser, Lebensumstände. Die christlichen Mehrheitsdeutschen haben seit 1900 kräftig aufgeholt. Die noch Bildungsfernen unter den muslimischen Zuwanderern können das auch – vermutlich schneller als einst die christlichen Deutschen.

Hilal Sezgin findet dagegen die Sarrazin-Debatte für falsch:

Dieser Diskurs ist falsch, weil er keinen Raum lässt für das Eigenrecht gelebten Lebens und die bescheidene Erkenntnis aller empirisch arbeitenden Soziologen: Wirklich angemessen wäre nur eine Karte im Maßstab 1:1.

Und während ich mir die Frage stelle: Was sind denn systematisch und koheränt begrenzte Glücksspiele? hole ich mir erstmal noch einen Kaffee.

[Foto: Luc van Gent]