Archiv für Januar 2012
Neuer Online-Auftritt der Westfälischen Nachrichten

Auch die WN hat ihren Internetauftritt umgestellt und kommt mit einem Baukastensystem, dass auch schon von der IVZ-Seite her bekannt erscheint. Auch hier ist der Leser ohne Werbeblocker ziemlich verloren: Anzeigen, Texte und Verweise sind irritierend zusammengeklatscht. Also nichts wie den Werbeblocker wieder eingeschaltet, dann geht’s. Und hoppsala: Im Gegensatz zur IVZ schafft es die WN, am Werbeblocker vorbei lokale Werbung zu platzieren. Sehr gut ;-) .

Die Ibbenbüren-Seite ist aber ebenso lieblos: Es bietet nichts weiter als die Links der IVZ und noch nicht einmal die aktuellen, sondern quasi alle, inklusive irgendwelcher schon überarbeiteter Artikel-Versionen. Da sollte man die Rubrik lieber gleich löschen – was aber vielleicht eh passiert, wenn die IVZ hinter einer Bezahlschranke verschwindet.

Merkwürdig ist der Schriftartenmischmasch: Als Schriftart für das Navigationsmenü kommt auch hier Verdana zum Einsatz, was aber sehr trennunscharf aussieht. Artikelanpreiser sind in Arial, Artikelkleinüberschriften auch oder in noch einer anderen Schriftart, die Überschriften der Texte dann in Georgia, wenn ich das gerade auf den ersten Blick richtig sehe. Zusammen mit immer noch zu großen Grafiken, zu lang angeteaserten Texten, zu vielen Texten und zu raumgreifenden Artikelplatzierungen ist der Auftritt der WN sehr mausschiebelastig und unübersichtlich. Und das sage ich schon bei weggefilterter Werbung, für die es – wie bei der IVZ – eh kein ausgereiftes Konzept auf der Seite gibt.

Positiv fällt noch auf, dass der Leser nirgends angenörgelt wird, sondern über ein Erklärbär-Video zur Seitenbenutzung animiert wird, dass es keine Baby-, Trauer- und Grüßecke gibt, dagegen eine Immobilien-,Motorisiertes- und Gedöhns-Ecke. Durch den Verzicht mobiler Grafikelemente wirkt die Seite angenehm ruhig, aber auch etwas behäbig: Viele aktuelle Inhalte können nur durch längeres Klicken erreicht werden und da ist es schon etwas hinderlich, dass die Navigation nicht on the fly, sprich bei Mausberührung selbständig aufklappend, funktioniert.

Also: Ausbaufähig, was aber auch niemand in Frage gestellt hat. Mehr Mut zu Leserfreundlichkeit, mehr Gedanken bei Werbeeinbindungen und vielleicht ein paar dpa-Texte weniger – das würde schon helfen.

Pornografie in der Öffentlichkeit

Ich lese gerade den Text Zensur vs. Anstand: Pornografie in der Bibliothek von der ganz zauberhaften Jillian C. York, in dem die Geschichte aufgegriffen wird, wie in einer Bibliothek in Los Angeles sich ein Obdachloser beim Anschauen eines Pornos, sagen wir mal: einen schönen Tag machte. Und für die Amis war jetzt anscheinend der Umstand, dass da ein Porno in einer Öffentlichen Bibliothek lief, schlimmer als das andere.

York findet es nun irgendwie nicht gut, dass in Bibliotheken Pornos laufen, was mir irgendwie eher egal ist. Mir ist aber etwas ähnliches passiert. Nicht wie Sie jetzt denken. Ich lief diese Woche an einer Lokalität vorbei, in der auch das Benutzen von Computern mit Internetzugang angeboten wird. Im Vorbeigehen huschte mein Blick über den Monitor einer dieser Computer, der gerade in Benutzung war. Und eben da lief, tja, also das muss eine Live-Gynäkologie-Untersuchung gewesen sein. Der Betrachter machte sich zwar jetzt nicht so einen schönen Tag wie der Obdachlose, aber es schien immerhin so interessant zu sein, dass man Kopfhörer dazu braucht.

Ich weiß jetzt nicht, ob ich es merkwürdiger finden soll, dass da jemand mit derartigen Vorlieben, so intelligent ist, dass er einen PC-Sitzplatz nimmt, der von im offenen Blickfeld einer Fussgängerzone ist, oder dass es mir überhaupt merkwürdig erscheint. Kabinen sind wohl einfach nicht mehr in.

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