Kostenpflichtiges Anzeigenblatt

Oh, Popcorn! Bei der Facebook-Gruppe Ich komme aus Ibbenbüren und erinnere mich noch an… geht es gerade wegen des Zugangsbeschränkungen und den Abo-Kosten der IVZ zur Sache. Facebook-Nutzer VauWeh Superkaefer zitiert aus einer E-Mail der IVZ an ihn:

Wichtig ist, die Inhalte sind für unsere Kunden von einer größtmöglichen Relevanz und Aktualität. Daran arbeiten wir sehr intensiv.

Ja, sicher. Nicht nur 08/15-intensiv, sehr intensiv und das an größtmöglicher Relevanz. Steigerungen bis die Bedeutung des Geschriebenen das Handtuch wirft. Ich erinnere mich da an einen Artikel, in dem beschrieben wird, wie ein Redakteur um den Aasee spatziert, der es auf die erste Lokalseite geschafft hat. Die Relevanz war eher so unauffindbar.

Würden wir aber unser Printprodukt durch ein zusätzliches Digitalangebot schwächen – und das würde ohne Zweifel passieren -, dann könnten wir unseren Inserenten/Werbekunden kein verlässliches Angebot mehr machen; heißt: Die Reichweite der Tageszeitung würde sinken und damit auch die Attraktivität der Werbung in ihr.

Ohne Zweifel, aha. Kein verlässliches Angebot, soso. Wie hier dauerhaft versucht wird, jeden Ansatz von Kritik zu ersticken. Bei Merkel heißt das alternativlos. Ich habe allerdings durchaus Zweifel, dass ein Digitalangebot die Reichweite reduziert. Ich glaube da eher an das Gegenteil. Außerdem schwächt man sich eher, wenn man ohne Akzeptanz der Leserschaft das Abo um 3€ erhöht. Abos werden gekündigt, Reichweite sinkt, Attraktivität schwindet, blablabla.

Und eine 1:1-Umsetzung von Print zu Digital wiederum würde Ihnen überhaupt nicht gefallen. Dann wirkt das Digitalprodukt wie ein kostenpflichtiges Anzeigenblatt…

Habe ich das richtig verstanden, dass in der Selbstdarstellung der IVZ ihre gedruckte Ausgabe ein „kostenpflichtiges Anzeigenblatt“ ist? Nicht, dass man nicht schon was geahnt hätte.

Richtig lustig wird es aber erst noch:

Natürlich ist es wenig sinnvoll, Ihnen unsere Printausgabe nach Altenbeken zu schicken. Kommt es für Sie eventuell in Frage, die „Papier-Zeitung“ an eine karitative Einrichtung zu spenden? Damit hätten Sie als unser Abonnent den Zugang zu den digitalen Produkten und tun mit Ihrer gedruckten Zeitung Gutes… z.B. in einem Seniorenheim. Das ist der Weg, den andere Kunden gehen, die aus verschiedenen Gründen auf die Lieferung der gedruckten Zeitung verzichten.

Und die noch anderen, die aus verschiedenen Gründen auf die Lieferung der gedruckten Zeitung verzichten, sind Ex-Kunden. Nutzen Sie doch einfach unsere Sturheit, um was Gutes zu tun! Aber seien Sie gewarnt: Dieser Weg, wird kein leichter sein. Dieser Weg ist steinig und schwer.

Kurz darauf meldet sich IVZ-Geschäftsführer Klaus Rieping zu Wort, um das Vorgehen des Verlages aus einer „gesamtwirtschaftlichen Betrachtung“ heraus zu verteidigen:

Würden wir heute auf ein digitales Angebot gänzlich verzichten, weil es kostendeckend nie produziert werden kann, wäre das der Anfang vom Ende auch der Zeitung, der lokalen Presse, weil das Mediennutzungsverhalten der Generationen höchst unterschiedlich ist.

Das nenne ich mal einen Euro-Fighter, kämpft um jeden Cent gegen das Mediennutzungsverhalten von Generationen. Und schwupps geht als einzige Alternative neben 60 Beschäftigten der IVZ gleich die ganze lokale Presse wieder unter, was ich schlichtweg bezweifle. Es geht wohl eher darum, dass der Versuch der IVZ, online ein Geschäftsmodell zu etablieren, gescheitert ist, und die IVZ versucht sich bis auf weiteres nicht daran.

Facebook-Nutzer Andre Bäumer haut dann auch gleich auf die Vorlage der „gesamtwirtschaftlichen Betrachtung“:

gesamtwirtschaftlich betrachtet [sind] viele Abonnenten eines günstigen Online Angebots wirtschaftlicher und vor allem wesentlich ertragsstärker als deutlich weniger Vollabonennten. Betriebswirtschaft lich gesehen, sie spielen ja schließlich darauf an, rennt die IVZ derzeit auf ein Desaster hinaus. Ich bin gerne bereit für ihr Angebot zu zahlen. Aber im Zeitalter moderner Medien zahle ich nicht für Druck oder Botenkosten, die ich nicht benötige.

Soll mal keiner sagen, dass die Kritiker der IVZ nicht auch schwarz malen könnten ;-). So up-to-date sind die auch. Apropos up-to-date: Inzwischen hat man bei der IVZ wohl gemerkt, dass die Bezahlschranke da so Löcher hat. Eines davon hat man versucht zu schließen – mit JavaScript. Brüller.

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