Lesezeichen vom 17.01.2018

  • Makarionissi oder Die Insel der Seligen von Vea Kaiser Dana Buchzik: “Die Sechsundzwanzigjährige schickt sich an, die Helene Fischer der Literatur zu werden, eine Autorin für die ganze Familie, die im österreichischen Küchenradio Mama Juttas Heringssalat zubereitet, in Frauenzeitschriften den Wert des Glücks betont und auf ihrer Facebook-Fanpage unermüdlich ihre liebevolle Aufnahme in Kleinstädten lobt, kurz: die zahllose Leser für sich einnimmt, die sich vom hundertsten Berlin-Roman nicht gesehen fühlen.”
Weiterlesen

Mettinger Mailservice

Vor Kurzem startete die Internetseite Mettingen.eu als Versuch, durch Verfügungmachung von Mail-Adressen der Gemeinde Mettingen zu etwas mehr Popularität zu verhelfen. Nutzer bekommen ein 1 GB großes Mailpostfach gegen Angaben zu ihrer Person. Zwar steht in den Datenschutzerläuterungen der Seite

Die Nutzung unserer Webseite ist in der Regel ohne Angabe personenbezogener Daten möglich.

Das ist aber insofern etwas nicht zutreffend, als dass ein Nutzer den Service gar nicht in Anspruch nehmen kann, wenn er nicht seinen Namen, seine Adresse, seine Telefonnummer und seine Handynummer angibt. Präzisierend heisst es in den AGB:

Der Nutzer ist verpflichtet, bei der Registrierung genaue, aktuelle und vollständige Angaben zu seiner Person (Registrierungsdaten) nach der Vorgabe des Registrierungsformulars zu machen und diese Registrierungsdaten stets aktuell zu halten. Es sind nur Adressen in Deutschland bei der Registrierung erlaubt. Bei der Registrierung werden die eingegebenen Adressdaten mit einem Adressverzeichnis abgeglichen, um fehlerhafte Adresseingaben zu minimieren.

Weiter unten in den AGB kommt noch ein richtiger POPCORN-Moment: Es ist einem Nutzer im Schreiben einer E-Mail über diesen Dienst untersagt

ein tatsächliches Geschehen wieder[zu]geben, ohne dass ein überwiegendes berechtigtes Interesse gerade an dieser Form der Berichterstattung vorliegt;

Damit ist wohl jeder E-Mail, in der es um Mettingen geht, ein Verstoß gegen die AGB. Von einem überwiegend berechtigten Interesse an Mettingen habe ich noch nicht gehört.

Mit dem Ausschluss der Möglichkeit der anonymen Nutzung des Dienstes verstoßen die Betreiber von Mettingen.eu schlicht gegen das Telemediengesetz, das Anbietern von Telemediendiensten eine anonyme Nutzung durch die Benutzer vorschreibt, wenn es nicht gute Gründe gibt, die dies unmöglich machen. Dass die Betreiber von Mettingen.eu davon auch so gar keine Ahnung haben, legt ein Blick ins Impressum nahe:

Die Gemeinde Mettingen ist eine Körperschaft des Öffentlichen Rechts. Sie wird vertreten durch Bürgermeisterin Christina Rählmann. Verantwortlicher gemäß § 10 Absatz 3 MDStV: Bürgermeisterin Christina Rählmann.

Der Staatsvertrag über Mediendienste, kurz MDStV, ist seit 2007(!) außer Kraft.

Weiterlesen

Ein Windows-Plugin gekauft, das gar nicht funktioniert und ich auch – selbst hätte es funktioniert — eigentlich gar nicht brauchte. Das ist der Winterabendpluginblues.

Weiterlesen

Christian Steiffen – Du hasst die Menschen einfach gern

Heute und morgen Abend im Rosenhof in Osna. Eigentlich verkauft, aber wer das Risiko nicht scheut, ergattert vielleicht noch Karten vorm Eingang:

Weiterlesen

Offen für Rechte

Bei der WN ist auch rechts nicht gleich rechts. Die gestrige Absage einer AfD-Veranstaltung in Münster kommentiert man mit :

Gleich zwei Mal innerhalb von drei Tagen haben Gastronomen der AfD Räumlichkeiten für einen Petry-Auftritt angeboten – und die Zusage dann wieder zurückgezogen. […] Jeder Betreiber eines Veranstaltungsraumes hat das gute Recht, nicht an die AfD zu vermieten. Aber wer zusagt und dann absagt, macht den Veranstaltungsort selbst zum Politikum. Das ist nicht gut für eine Gastronomie, die offen sein möchte.

Offen für Rechte? Das klang bei der WN auch schon mal anders:

Anlass zur Sorge bereitet es indes, dass rechte Gruppierungen binnen weniger Monate bereits drei Mal Kundgebungen in Münster abgehalten haben. Weitere dürften, früher oder später, folgen. Gut zu wissen, dass es in dieser Stadt ein offenbar gut funktionierendes Netzwerk aus Gruppen gibt, die sich ihnen kraftvoll in den Weg stellen und so signalisieren: Münster will keine Nazis.

Weiterlesen

Prenzlberg

Als vor ein paar Jahren die Prenzlauer Berg Nachrichten als Projekt online gingen, und ich in Berlin auf der re-publica davon hörte, war ich wenig begeistert. Es klang zu sehr danach, dass sich Journalisten für eine Internetseite ohne tragfähiges Geschäftsmodell aufopferten.

Dieser Tage hat man alles auf eine Karte gesetzt: 750 Leute, die monatlich für die Seite 5€ abdrücken sollten erreicht werden oder die Seite werde geschlossen. Man hat dieses Ziel erreicht – nicht ohne blaue Flecke, wie die für die PBN arbeitende Juliane Wiedemann schreibt:

Mir ist zwar klar, dass man nicht in den Journalismus geht, um sich Freunde zu machen, und dass ein dickes Fell in diesem Beruf vonnöten ist. Dass man sich manchmal wie der Leiter eine Anger-Management-Therapiestunde fühlt, hatte mir jedoch vorher niemand gesagt.

Neben allen Merkwürdigkeiten, die so ein Projekt in der Großstadt mit sich bringt, und die sich eben auch nicht in der Provinz ebenso verhalten, scheint mir das ein Zwischenruf zu sein, der auch im Kleinen seinen Wiedererkennungswert hat.

Weiterlesen

Vorratsdatenspeicherung anno 2015

Das Thema Datensicherheit ist schon sehr abgenudelt, lapidarer wird es allerdings nicht: Das Bundesinnenministerium und das Bundesjustizministerium haben sich auf die Einführung einer Vorratsdatenspeicherung geeinigt. Ähnliches hatten schon EU und Bundesverfassungsgericht kassiert, aber man kann es ja nochmal versuchen. Deutschland ist auf dem Weg zu einem Präventionsstaat, der alle Bürger unter Generalverdacht stellt:

Gespeichert werden sollen demnach alle an einem Telefonat beteiligten Telefonnummern, das Datum und die Uhrzeit des Gesprächs, bei Mobilgesprächen außerdem die Funkzelle. Wenn es sich um Internet-Telefondienste handelt sollen auch die IP-Adressen protokolliert werden.

Weswegen so ein nächster Überwachungsschritt bedenklich ist, schreibt Sascha Lobo so dahin:

Es geht darum, ob Ihre Tochter noch ein Fleckchen in ihrem durchdigitalisierten Leben haben wird, in dem sie nicht überwacht und damit potenziell auf Konformität überprüft wird. Die Vorratsdatenspeicherung bedeutet ganz konkret: Ihre Tochter wird Angst haben müssen, in der schlimmsten Krisensituation ihres Lebens die Telefon-Hotline der Seelsorge anzurufen. Weil dadurch Datenspuren entstehen könnten, die ihr gesamtes späteres Leben zerstören.

Protestieren gegen die Vorratsdatenspeicherung kann man am 18. April in Bielefeld und am 20. Juni in Berlin.

mehr
heute.de: Der Staat überschreitet eine rote Linie

Weiterlesen

Konzert: Christian Steiffen, Rosenhof Osnabrück, 25.10.2014


Mittlerweile hat sich Christian Steiffen die Publikumsgröße erspielt, die ihm gebührt: 700 Leute kamen gestern in den Rosenhof und – als ob man das dazusagen müsste – waren restlos begeistert.

Zum Tourauftakt präsentierte er seine Klassiker, aber auch Neuschöpfungen. Bei diesen erfindet er sich etwas neu, weniger bissige Ironie, mal etwas ruhigere Töne anspielen. Es war nicht zu erwarten, dass ewig Knaller nachgeschoben werden. Das soll kein vorweggenommener Abgesang werden: Steiffens Stärke ist weiterhin, dass er einer verstaubten Musiksparte das Konservative nimmt, und mit Witz genau die besungenen Gefühle herauskitzelt, die er in seinen Liedern ironisch ansingt: Das Vermissen seiner Person, das Belachen des eigenen Selbstmitleids, die Reduzierung seines Lebens auf eine Flasche Bier, das Frohsein über entgangene Beziehungen.

Abgesehen davon bot die Steiffen-Show neben der endlich mal wirklich gut rüberkommenden Musik viele einprägsame Bilder auf der Bühne: Vom Steiffen-Ballett über das Stage-Diving zur besinnlichen Christian-Steiffen-Version von „Stille Nacht“. Den Großteil seines Publikums hat Steiffen nach wenigen raumgreifenden Gesten in seinem Bann, der Rest wird irgendwann von der Musik eingenommen.

Christian Steiffen bringt die große Lust aufs Leben in die Halle und verteilt sie großzügig an seine Zuschauer. Vielleicht ist das das Geheimnis.

Weiterlesen
1 2 3 6