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Wie ist das eigentlich … mit dem Untergang von VIVA?

Ich habe gestern ein wenig die fensehtechnische Abwicklung des ehemals erfolgreichen Musiksenders VIVA auf Twitter mitverfolgt. Es waren überhaupt nur wenige, die das interessierte. Mit knapp über 1000 Verhashtagungen war das Thema in den Top3-Hashtags des Tages, was aber eher nur gegen Twitter spricht. In den Onlineausgaben der Zeitungen konnte man nur uninformatives Gesausel lesen. Da wurden aus der Wikipedia die geraffte Geschichte des Senders dargestellt und Zitate aus Interviews anderer Medien genommen. So wie man halt bei Zeitungen eine aktuelle Behandlung eines popkulturellen Themas vorstellt. Als wäre ein Newsletter eingestellt worden. Ich habe nur bei dwdl.de ein informativeres Interview mit Dieter Gorny gefunden, das mich daran erinnert hat, dass Gorny in der Selbstdarstellung von VIVA immer so galant überzogen hat: \[quote\]VIVA hat fast alle sozialisiert, die heute schreiben und denken. \[/quote\] Oh, mich nicht. Was soll “sozialisiert” hier überhaupt heißen? VIVA gab es zu meinen Jugendjahren nur über Kabel, da war ich raus. Ich habe Ray Cokes auf MTV geschaut, dazu die dortigen Hitparaden und mein Englisch mit etwas Humor aufpäppeln können. VIVA hatte Stefan Raab, dessen Humor mich allerdings selbst in den wenigen Momenten Aufmerksamkeit vor Warenhausfernsehgeräten nicht einfing. Und an dem Humorrelikt, das in der Late Night von Pro7 gerade noch etwas zuckelt sieht man: Es fehlt da doch extremst an Unterbau, um sagen zu können, dass man es bei VIVA mit einem geschichtsträchtigen Unterfangen zu tun hatte. Und doch war da etwas Wehmut bei den wenigen, die das Thema noch am Ende des Jahres abhakten, wenn auch niemand mehr darüber etwas schreiben wollte. Vielleicht ist dazu VIVA halt doch schon 2005 mit der Übernahme durch Viacom abgewickelt worden. Habe ich da die Abgesänge verpasst? Oder ist hier eine sozialisierte Gruppe unterwegs, die keinen Wehmut mehr kennt, die den Umwälzungen des Kapitalismus ausdruckslos beiwohnt, das Thema wechselt wie ein Blatt Klopapier? Das, was mal gestartet war als Jugendrevolution, zumindest in eigener Sichtweise, wird da gerade ad acta gelegt wie eine Unterhose, die man nie gewechselt hat und mit der man auch seit langem nichts mehr zu tun haben will. Sich darüber zu wundern scheint irgendwie selbst schon aus der Zeit gefallen. Auch in der Abschiedssendung redete man nur über Stars, die die damaligen Moderatoren, von denen fast niemand auf ihren Sozialmedienkanäön etwas über die Abschlussendung schreibt, vor 15 bis 20 Jahren mal begegneten, nicht über den Sender an sich. Wie Gäste einer Beerdigung, die nur über sich selbst reden. Worüber auch sonst, der zu Grabe Getragene ist ja tot.